In der Weihnachtsbäckerei

... gibt es manche Leckerei - so heißt es in einem bekannten Lied von Rolf Zuckowski. In der Vorweihnachtszeit werden eifrig Plätzchen und traditionelles Weihnachtsgebäck wie Zimtsterne, Spekulatius, Vanillekipferl, Stollen oder Lebkuchen in den Ofen geschoben. Doch was braucht man für die erfolgreiche Produktion der vielen Leckerlis? Ein Kinderlied gibt Auskunft: "Eier und Schmalz, Zucker und Salz, Milch und Mehl, Safran macht den Kuchen gehl". Aber auch weitere gute Zutaten wie Butter und Nüsse dürfen nicht fehlen. Die Tradition und Rezepte vieler Gebäcksorten gehen bis ins Mittelalter zurück, daher wundert es nicht, dass viele Familiennamen sich wie eine Einkaufsliste für das Weihnachtsplätzchenbacken anhören. Was aber steckt wirklich hinter den Familiennamen Nuss, Safran, Zucker, Butter und Schmalz? Die Mainzer Namenforscher*innen mischen die Zutaten für ein leckeres Namenspecial zusammen.

Nuss

Nüsse sind aus vielen Weihnachtsplätzchen-Rezepten kaum wegzudenken. Dass sie auch schon im Mittelalter geschätzt wurden, bezeugen Familiennamen wie Nuss/Nuß (niederdeutsch auch Nott), Nussmann/Nußmann oder Nusskern/Nußkern. Verbreitet waren damals vor allem Walnüsse und Haselnüsse. Erstere dienten vor allem als Backzutat für Brot, Zweitere wurden häufig zu Öl gepresst. Der häufigste Name Nuß (507 Einträge in der Datenbank, entspricht etwa 1.470 Namenträger*innen) geht entweder auf einen indirekten Berufsnamen für einen Nusshändler oder einen Übernamen zurück. So wie wir heute jemanden mit "du dumme Nuss" beleidigen, konnte die Nuss auch damals schon als negativer Übername für einen kleinen, geringwertigen Menschen fungieren. Dies hat die Nuss mit anderen kleinen Nahrungsmitteln wie Bohne (Bohn) und Schlehe (Schlee) gemeinsam.

Zucker

Auch wenn in den letzten Jahren Alternativen populär geworden sind, die versprechen, gesünder zu sein und nicht dick zu machen, ist der Zucker bisher doch eine grundlegende Zutat in der Weihnachtsbäckerei. Auch im Familiennamenschatz hat er seinen festen Platz mit ca. 1.500 Namenträger*innen in Deutschland (errechnet aus 518 Telefonanschlüssen). Zudem ist Zucker häufig als jüdischer Familienname belegt und deshalb heute auch in Israel frequent. Zwar brachte schon 325 v. Chr. Alexander der Große etwas Zucker von einem Indienfeldzug nach Europa, bis hier Zucker lokal hergestellt wurde und als Süßungsmittel Einzug in unsere Küchen fand, sollte es aber noch dauern. Im zwölften Jahrhundert wurde der Rohrzucker von den Kreuzfahrern erneut importiert. Verwendet wurde er zunächst als Arzneimittel und als spärlich benutztes Luxusgewürz in ansonsten herzhaften Gerichten. Im 14. Jahrhundert gab es bereits verschiedene mit Zucker hergestellte Süßigkeiten und Süßspeisen, die aber immer noch ein Luxusgut darstellten. Erst mit der Entdeckung in der Mitte des 18. Jahrhunderts, dass zwischen der aus Zuckerrüben gewonnenen Saccharose und dem Rohrzucker kein Unterschied besteht, wurde Zucker für einen Großteil der europäischen Gesellschaft erschwinglich. Insofern ist durchaus denkbar, dass der Familienname Zucker als indirekter Berufsname für einen vereinzelten Zuckerbäcker oder als Übername für jemanden, der sich oft und gerne süße oder dekadente Speisen leistete, auf mittelhochdeutsch oder mittelniederdeutsch zucker 'Zucker' zurückgeht. Zucker hat im Mittelhochdeutschen jedoch noch eine weitere Bedeutung: Es geht auf das Verb zucken 'schnell und mit Gewalt ziehen, an sich reißen, wegnehmen, rauben, stehlen' zurück und bezeichnet einen Räuber. Der Familienname kann also ursprünglich auch einen Straßenräuber, Raubritter oder Gelegenheitsdieb oder eine habsüchtige Person gemeint haben.

Safran

'... und Safran macht den Kuchen gehl'. Wie das Kinderlied schon sagt, war Safran nicht nur aromatische Speise- und Backzutat, sondern auch ein beliebtes Färbemittel, das den Kuchen gelb machte. Der Familienname Safran wurde daher wohl nicht nur als indirekter Berufsname für einen Gewürzhändler oder -krämer, sondern auch für den Bäcker gebraucht. Das teuerste Gewürz der Welt aus dem Orient wurde bereits im Mittelalter auch in Europa angebaut. Schon in der Oekonomischen Encyklopädie von J. G. Krünitz heißt es: 'Von dem persischen Safran bekommen wir wenig oder gar nichts in Europa zu sehen ... Die bekanntesten und gesuchtesten Sorten sind: der Orientalische oder Türkische, der Oesterreichische, Ungarische ...' Daher verwundert es nicht, dass der Familienname Safran in unterschiedlichen Formen in die Familiennamen einging und aus verschiedenen Ländern (z. B. aus Ungarn, Kroatien) nach Deutschland gelangt sein kann, wie beispielsweise Saffran (126 Telefonanschlüsse, entspricht ca. 365 Namenträger*innen), Schaffranek (205 Telefonanschlüsse, entspricht ca. 595 Namenträger*innen), seltener (< 100 Telefonanschlüsse) sind Safran, Szafran, Safranek, Schaffran, Schafranek.

Butter

Neben Zucker und Mehl bildet die Wahl des richtigen Fetts die Basis eines guten Mürbeteigs für süße Plätzchen. Als wichtiges Handelsgut des Mittelalters hat Butter (bevorzugt aus Kuhmilch) zu mittelhochdeutsch buter, mittelniederdeutsch botter auch Eingang in die Familiennamengebung gefunden. Neben Butter/Botter und Butterer/Botterer gibt es zahlreiche Zusammensetzungen wie Butterweck, Butterbrodt und Butterfass. Am häufigsten ist Butter mit 422 Telefonanschlüssen (entspricht circa 1.223 Namenträger*innen) vertreten und ist ebenso wie Botter (40 Anschlüsse) ein indirekter Berufsname für den Butterhersteller oder -händler. Es kann sich immer auch um Übernamen handeln, entweder nach einer zu leistenden Abgabe oder nach der Lieblingsspeise für eine Person, die gern und viel Butter isst. Auch die für die Weihnachtsbäckerei wichtige Unterscheidung zwischen Süß- und Sauerrahmbutter findet sich in den Familiennamen: Frischbutter meint den Hersteller oder Händler von süßer (ungesalzener) Butter, Hübotter (zu mittelniederdeutsch heie, hoie 'Molke') hingegen von Sauerbutter. Mohrbotter (< [ich] morde/verschlinge die Butter) dagegen steht für eine Person mit übermäßigem Butterkonsum, einen verschwenderischen Menschen.
Nicht nur Butter, auch Schmalz kommt als Backfett gerne zum Einsatz. In den Familiennamen ist Schmalz (zu mittelhochdeutsch smalz, mittelniederdeutsch smalt, smolt 'Schmalz, Butter, Fett') mit 1229 Anschlüssen (entspricht circa 3.564 Namenträger*innen) vertreten und geht ebenso wie die Varianten Schmaltz, Schmälzle und Schmälzlein auf einen indirekten Berufsnamen für einen Schmalzverkäufer, Händler mit Fettwaren oder aus Schmalz hergestellten Salben zurück. Schmalz kann auch als Übername jemanden, der gerne fette, buttrige Speisen isst, oder einen beleibten Menschen bezeichnen. Im übertragenen Sinn kann auch ein Schönredner, Schmeichler gemeint sein. Außerdem kann der Name auch mit kosender Bedeutung für Liebling stehen oder sich auf eine Person beziehen, die auf einem besonders fruchtbaren, ertragreichen Flurstück wohnt.