Der Deutsche Familiennamenatlas (DFA)

Familiennamen sind der einzige Bereich der europäischen Sprachen, der in seiner ausgeprägten räumlichen Vielfalt bisher höchst unzureichend erfasst ist. Noch sind die geschichtlich gewachsenen Namenlandschaften in erstaunlicher Stabilität erhalten. Sie werden im DFA im Bereich der Bundesrepublik Deutschland auf der Basis von Telefonanschlüssen (Stand: 2005) anhand systematisch ermittelter und durch repräsentative Beispiele abgedeckte Themenkomplexe analysiert. Die Ergebnisse sind in einem sechsbändigen Atlas mit über 2000 kommentierten Karten dargestellt; hinzu kommt Band 7 mit Verzeichnissen, Register und Literatur. Sprachwissenschaftlichen Interessen trägt der Atlas durch einen grammatischen Teil (Bände 1, 2 und 3: Vokalismus, Konsonantismus, Morphologie der Familiennamen) Rechnung, siedlungs-, migrations- und kulturhistorischen durch einen lexikalischen Teil (Bände 4, 5 und 6)Dieser zweite Komplex berücksichtigt jeweils den spezifischen Aussagewert der fünf unterschiedlich motivierten Familiennamenklassen (nach Herkunft und Wohnstätte, nach Beruf und persönlichen Merkmalen sowie aus Rufnamen). Insgesamt wird die Namenforschung* damit erstmals auf ein tragfähiges Fundament rezenter Daten gestellt, das die Überprüfung alter Forschungsergebnisse und besonders die Entwicklung neuer Fragestellungen ermöglicht; ferner bietet der Atlas – da Namen alte Sprachstufen konservieren – eine erstrangige Quelle für die Sprachgeschichte, des Weiteren ein hilfswissenschaftliches Instrument für viele Fächer von der Siedlungs- und Migrationsforschung über die Sozial- und Kirchengeschichte bis zur Genetik.

In Arbeit befindet sich ein 8., populärwissenschaftlicher Band („Kleiner deutscher Familiennamenatlas. Entstehung, Verbreitung und Bedeutung der Familiennamen“), der die wichtigsten Erträge der sechs Atlasbände allgemeinverständlich zusammenfasst und mit Hunderten von Verbreitungskarten dokumentiert. Hinzu kommen zahlreiche neue Kapitel zu eingewanderten Namen sowie zu namengrammatischen (z.B. weibliche Formen wie die Lutherin) und zu namenpragmatischen Phänomenen (z.B. die Namenwahl bei Heirat), was den Band zu einem enzyklopädischen Werk zu Familiennamen werden lässt. Abgeschlossen wird er 2022, erscheinen entweder 2022 oder 2023.

Das Langfristvorhaben wurde von 2005-2015 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und wurde  vom Deutschen Instituts der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Damaris Nübling) sowie dem Deutschen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Konrad Kunze) in enger Kooperation durchgeführt.

*In der Fachsprache wird das s in Wörtern wie Namensforschung, Namensdeutung, Namensgutachten etc. getilgt.