Leise rieselt der Schnee...

Im Moment schneit es nur in der Vorstellung der Mainzer NamenforscherInnen. Mal schauen, ob uns das Wetter die weiße Pracht beschert. Auf der Suche nach schneelastigen und eisigen Familiennamen wurden wir natürlich sofort fündig. So können wir es uns zumindest in Gedanken mit Schneekönigen und -männern bei frostigen Temperaturen mit einer heißen Schneemilch gemütlich machen.

Frost

Verbreitung des Familiennamens Frost

Eis und Schnee sind wunderschön, solange man sich wärmen kann. Ungemütlich kann es werden, wenn die Temperaturen unter Null sinken und der Frost einsetzt. Diesem unglücklichen Umstand verdanken wir den Familiennamen Frost. Etwa 5096 NamenträgerInnen (= 1820 Telefonanschlüsse) teilen sich diesen Namen. Hervorgegangen ist er aus mittelniederdeutsch und mittelhochdeutsch vrost 'Frost, Kälte' und bezeichnet jemanden, der es nicht warm genug hatte und in der Kälte frieren musste. Gleichzeitig konnte Frost auch bildlich im Sinne von 'Kaltsinn' gebraucht werden und die gleichgültige oder kalte Wesensart des ersten Namenträgers beschreiben.

Schneemilch

Verbreitung des Familiennamens Schneemilch

Farblich aufeinander abgestimmte Speisen waren in der mittelalterlichen Küche der letzte Schrei. Beliebt war vor allem die Farbe weiß und mit Vorliebe wurden Gerichte mit reinweißen Zutaten zubereitet. Schneemilch, auch Schneemus genannt, war eine aus Milch und Eiweiß bestehende Suppe. Möglicherweise war der Vorfahre der rund 290 NamenträgerInnen (das entspricht 100 Telefonanschlüssen) des Familiennamens Schneemilch ein Koch oder ein Feinschmecker mit einer Vorliebe für diese Speise. Es kann sich aber auch um eine Verballhornung von mittelhochdeutsch schlegelmilch, slegemilch, slēmilch 'Buttermilch' handeln und einen Milchbauern oder -händler bezeichnen.

Schneemann

Verbreitung des Familiennamens Schneemann

Kaum bleibt ein wenig Schnee liegen, zieht es Kinder und jung gebliebene Erwachsene mit Karotten und Kohlestückchen nach draußen - der Bau eines Schneemanns ist und bleibt eine der beliebtesten winterlichen Aktivitäten. Aber ein Schneemann mit Telefonanschluss? Tatsächlich finden sich für den Familiennamen Schneemann 619 Telefonbucheinträge (rund 1730 Personen). Über die Körpertemperatur der Namenträger sagt dies jedoch vermutlich nichts aus: Mittelniederdeutsch snede bezeichnete ursprünglich einen in einen Wald geschlagenen Weg ('Schneise'). Da diese Wege nicht selten als Grenze genutzt wurden, erhielt das niederdeutsche Wort Schnee (mit ausgefallenem -d- zwischen zwei Vokalen) auch allgemein die Bedeutung 'Grenze, Grenzzeichen'. Bei Schneemann handelte es sich demnach häufig um jemanden, der am Rand einer Gemarkung lebte. Für das Hauptverbreitungsgebiet in der Gegend um Göttingen ist eine Herkunft der ersten Namenträger aus Groß bzw. Klein Schneen (Ortsteile der Gemeinde Friedland bei Göttingen) wahrscheinlich. Auch der Siedlungsname Schnee (Stadtteil von Dortmund; Stadtteil von Stade) kann in Einzelfällen namengebend gewesen sein. Allen diesen Siedlungsnamen liegt ebenfalls das Grundwort snede zugrunde. Wenn es also wieder wärmer wird, muss kein Schneemann den Kontakt mit der Sonne fürchten.

Schneekönig

Verbreitung des Familiennamens Schneekönig

Rund 68 NamenträgerInnen (das entspricht 24 Telefonanschlüssen) tragen den Namen Schneekönig. Die Familiennamenbücher haben ihn, wahrscheinlich wegen seiner Seltenheit, nicht verzeichnet bzw. nicht gedeutet. Allerdings geben Wörterbücher, wie das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm, Auskunft über die Bedeutung: Es handelt sich um eine regionale (besonders in Sachsen und Thüringen) gebräuchliche Bezeichnung für den Zaunkönig, da sich dieser kleine, reizende Vogel auch bei tiefem Schnee blicken läßt und fröhlich umherhüpft und pfeift. Da es sich um ein munteres Kerlchen handelt, bezieht sich wahrscheinlich auch die Redensart "sich freuen wie in Schneekönig" auf den lebhaften Vogel. Der erste Namenträger hatte also seine aufgweckte, muntere Art mit dem kleinen Vögelchen gemeinsam. Schneekönig gilt auch als Spottname für den schwedischen König Gustav Adolf; aber da dieser sich erst nach dem 30jährigen Krieg etabliert hat, nahm diese Interpretation keinen Einfluß auf die Familiennamen.