Sommer, Sonne, Ferienzeit

Die Schulferien stehen bevor, die Temperaturen auf dem Thermometer steigen und viele tausend Deutsche machen sich auf den Weg in den Urlaub. Sie genießen die Sommerfrische am Meeresstrand, ein erfrischendes Bad im Swimming-Pool und viel Sonnenschein. Bei Temperaturen um die 36°C denken auch NamenforscherInnen zuweilen an Sonne, Meer und Strand. Wo unsere Vorfahren ihren freien Tage verbrachten, wissen wir nicht - sie hatten ja noch keinen Urlaubsanspruch, aber dafür sehr viele Feiertage. Man reiste allerdings nicht aus Vergnügen. Erst ab 1845 begann, mit der Gründung des ersten Reisebüros durch Thomas Cook in England, die Zeit der bürgerlichen Vergnügungsreisen. Mit der Durchsetzung des gesetzlich geregelten Urlaubsanspruchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Reisen in die Sommerfrische allmählich zum Massenphänomen.

Sommer

Verbreitung des Familiennamens Sommer

Überall in Deutschland herrscht Sommer! Zumindest, wenn man nach dem gleichlautenden Familiennamen geht. Dessen 19.207 Telefonbucheinträge (das entspricht ca. 53.780 Namenträgern) verteilen sich relativ gleichmäßig über die gesamte Bundesrepublik. Zugrunde liegt meist tatsächlich die Bezeichnung der Jahreszeit, mittelhochdeutsch sumer, mittelniederdeutsch som(m)er. Einerseits kann damit jemand gemeint sein, der im Sommer eine Arbeitsverpflichtung oder eine Zinsabgabe zu leisten hatte, andererseits aber auch der an der Sonnenseite Wohnende. Benennungen nach dem Beruf zu mittelhochdeutsch soumaere, sommer, mittelniederdeutsch somer(e) für den 'Führer von Saumtieren' oder zu mittelhochdeutsch sumber, sommer in der Bedeutung 'Korb; Getreidemaß; Pauke' für einen Korbflechter, Hersteller bzw. Benutzer von Scheffeln oder Musiker sind ebenfalls möglich. In Norddeutschland kann der Familienname Sommer auch auf das mittelniederdeutsche Wort somer 'langer, schlanker, gerader Pfahl oder Baum' als Vergleich für die Gestalt eines Mannes zurückgehen. In Bayern kommt zudem ein Herkunftsname zum gleichlautenden Ortsnamen bei Aitrang in Frage.

Urlaub und Urlauber

Verbreitung der Familiennamen Urlaub und Urlauber

Die Verteilung des Familiennamens Urlaub scheint auf ein unterschätztes Ferienziel hinzudeuten: Am Main um Würzburg finden sich die meisten der rund 700 NamenträgerInnen (234 Telefonanschlüsse). Die Bedeutung 'Ferien' erhielt das Wort Urlaub jedoch erst in der Neuzeit. Im Mittelalter stand mittelhochdeutsch urloup für 'Erlaubnis', besonders für die 'Erlaubnis, zu gehen' sowie für den 'Abschied' allgemein. Die Träger dieses Namens hatten also nicht unbedingt einen Vorfahren, der besonders gerne reiste. Er zeichnete sich aber offenbar durchaus dadurch aus, dass er einem Ort oder einer Verpflichtung häufiger oder für einen längeren Zeitraum fern blieb. Ebenso verhält es sich mit dem Urlauber, der sich ebenfalls im Telefonbuch findet, wenngleich nicht sehr häufig (12 Einträge). Dieser Familienname gruppiert sich im Raum Stuttgart.

Sonnenschein

Verbreitung des Familiennamens Sonnenschein

Manche Menschen tragen die Sonne in ihrem Herzen, sie strahlen Heiterkeit und Wärme aus - das hat mit ihrem wonnigen Gemüt zu tun und deshalb nannte man sie schon im Mittelalter Sonnenschein. Rund 2480 NamenträgerInnen (= 892 Telefonanschlüsse), vor allem im deutschen Westen, können sich mit solch einem freundlichen Namen vorstellen. In einigen Fällen kann es sich auch um einen Wohnstättennamen handeln für jemanden, der in einem Haus "Zum Sonnenschein" oder an einem gleichnamigen Flurstück wohnte. Und letztlich gibt es auch mehrere Siedlungen in Nordrhein-Westfalen, die diesen Namen tragen, so dass man auch einen Herkunftsnamen in Betracht ziehen kann.

Pool

Verbreitung des Familiennamens Pool

Zu den großen Sommerfreuden gehört auch ein gepflegter Pool. Während die heutigen Badefreudigen ein hygienisches Becken und gechlortes Wasser erwarten, liegt der Ursprung des Familiennamens Pool eher im Trüben und Morastigen. Familienname und Schwimmbecken treffen sich in westgermanischer Zeit, also im Frühmittelalter, und zwar bei dem westgermanischen Wort *pōla-, das 'Sumpf, Morast' bedeutet. Daraus hat sich über altenglisch pōl das heutige englische Wort pool entwickelt. Noch heute trägt es neben der häufigsten Bedeutung 'Schwimmbecken', mit der es ins Deutsche entlehnt ist, auch Bedeutungen wie 'Teich, Tümpel, Lache'. Parallel dazu ist aus dem westgermanischen Wort *pōla- das mittelniederdeutsche pōl, pūl hervorgegangen, was 'Pfuhl, Suhle, Sumpf' bedeutet. Und dieses mittelniederdeutsche Wort steckt im deutschen Familiennamen Pool mit rund 200 Namenträgern. Pool als Wohnstättenname für jemanden, der an einem Teich, einem Sumpf oder anderweitig schlammigen Gelände wohnte, ist nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten, aber die wahrscheinlichste.