Mein Name ist Hase…ich bringe die Eier

Der Name Ostern ist etymologisch vermutlich mit der Himmelsrichtungsbezeichung Osten verwandt und geht wie diese auf die indogermanische Wurzel *ausos in der Bedeutung 'Morgenröte' zurück. Mit der Hinwendung zur aufgehenden Sonne verbindet das Christentum symbolisch die Auferstehung Jesu Christi. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Familienname Ostermann (ca. 10.000 Namenträger) nichts mit dem Osterfest, sondern vielmehr mit der Himmelsrichtung zu tun hat: Der erste Träger dieses Namens wurde nach der Lage seiner Wohnstätte östlich von einem Orientierungspunkt benannt. Wenn uns auch in den Familiennamen so mancher Hase begegnet, liegt auch hier der etymologische Ursprung bisweilen anderswo. So geht der Familienname Kohlhase (ca. 1.070 Namenträger) auf mittelniederdeutsch kōlhase 'Heuschrecke' zurück und konnte z.B. einem unruhigen, sprunghaften Zeitgenossen als Beiname gegeben werden. Auch der Name Kohlhaas (ca. 2.070 Namenträger) kann zum Teil auf dieses Insekt zurückgehen, ebenso kann hier aber auch eine Kurzform des Rufnamens Nikolaus zugrundeliegen. Nicht selten stellt sich so mancher Name also als echtes Überraschungsei heraus.

Im Folgenden stellen wir noch einige weitere Familiennamen rund um Ostern, Hasen und Eier vor, die wir auf unserer Suche eingesammelt haben. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Eiermann

Verbreitung des Familiennamens Eiermann

"Klingelingeling, hier kommt der Eiermann" - die größte Chance, auf einen echten Eiermann zu treffen, hat man im Dreieck Karlsruhe - Mannheim - Höpfingen. Hier leben die meisten der rund 1.220 Eiermanns in Deutschland (435 Telefonanschlüsse). Der Familienname geht dabei tatsächlich auf den Beruf des ersten Namenträgers zurück, eines Eierverkäufers. "Kommen sie alle, alle an die Eier ran.  Das sind die allerdicksten Dotter, die man jemals sah. Uns're Eier, die sind Güteklasse A!"

Hasenei und Hasennest

Verbreitung der Familiennamen Hasenei und Hasenest

Hasen legen Eier? Ein Cartoon von Loriot legt dies nahe, wenn er aus einem geöffneten Frühstücksei ein Häslein springen lässt. Im pfälzischen und rheinischen Dialekt bezeichnet man die Ostereier scherzhaft als Haseneier. Auch die Familiennamen Hasenei(er)/ Haseney  (ca. 185 Namenträger) und Hasenest (ca. 37 Namenträger) weisen scheinbar darauf hin. Allerdings glaubten unsere Vorfahren keineswegs an eierlegende Hasen. Hinter dem Namen Hasenei steckt wahrscheinlich ein Herkunfts- oder Wohnstättenname zu dem Siedlungs- oder Flurnamen Hasenau. Über die Bedeutung des seltenen Familiennamens Hasenest schweigen sich die Familiennamenbücher aus, wir können allerdings auch vermuten, dass ein Örtlichkeitsname dahintersteckt - jedenfalls ist er schon für das 17. Jahrhundert für den Raum Ansbach-Neustadt an der Aisch - Nürnberg, wo er heute noch am häufigsten vorkommt, belegt.

Schell- und Schreckhasen

Verbreitung der Familiennamen Schellhase und Schreckhase

Hasen sind sehr wachsame, immer zur Flucht bereite, flinke Tiere. Diese Eigenschaften scheinen auf unsere Vorfahren großen Eindruck gemacht zu haben, denn viele Namen leiten sich von Hase ab. Auch die Übernamen Schellhase und Schreckhase, Bezeichnungen für ängstliche Menschen, beruhen auf der Beobachtung des hasentypischen Verhaltens. Der Familienname Schellhase (und zahlreiche Schreibvarianten wie Schellhas, Schellhaß u.v.a.m., insg. ca. 2.830 Namenträger) geht zurück auf das mittelhochdeutsche Adjektiv schellec, das 'aufspringend, scheu, auffahrend, schreckhaft' bedeutet, der Name Schreckhase auf mittelhochdeutsch schrecken 'springen, aufspringen'. Diese Namen stellen also noch einmal eine Verstärkung zu dem hasenhaften Verhalten des ersten Namenträgers dar, der wohl ein besonders schreckhafter, vorsichtiger und scheuer Mensch gewesen sein muss.

Ostertag und Paschedag

Verbreitung der Familiennamen Ostertag und Paschedag

Während der tendenziell stärker im Süden verbreitete Familienname Ostertag auf das mittelhochdeutsche Wort ostertac in der Bedeutung 'Ostertag' zurückzuführen ist, liegt dem vor allem in Nordrhein-Westfalen konzentrierten Paschedag das mittelniederdeutsche Wort pāschendach 'Ostersonntag' zugrunde. Im Gegensatz zu den anderen Familiennamen gehen Ostertag und Paschedag demnach tatsächlich auf das Osterfest zurück. Hauptsächlich ist der Name durch den Geburtstermin an diesem Feier- und damit auch Glückstag motiviert. Als weiteres Benennungsmotiv ist jedoch auch eine zu Ostern fällige Dienst- bzw. Zinsleistung möglich.