Es war einmal...

...ein unermüdliches Brüderpaar, das unzählige Märchen sammelte. Einer der Brüder, Wilhelm, wurde am 24. Februar 1786 in Hanau geboren. Zusammen mit dem älteren Jacob wurde er vor allem mit der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen berühmt. Aber sie wurden mit dem Deutschen Wörterbuch und anderen sprachwissenschaftlichen Werken auch zu Begründern der modernen Germanistik. Vor allem die Namenforschung hatte es Jacob Grimm angetan: Für ihn waren Namen wie Spiegel in vergangene Zeiten.
Der Familienname der Brüder kann auf einen grimmigen, zornigen ersten Namenträger, aber auch auf die Herkunft aus Orten namens Grimm, Grimme, Grimma hinweisen oder eine Kurzform zu Rufnamen wie Grimoald, Grimhard oder Grimhild darstellen.
In den Grimm'schen Märchen begegnen wir Zwergen, Königen oder dem bösen Wolf, allerdings keinen Einhörnern. Im Mittelalter waren die Fabeltiere Symbole des Guten, Reinen, Unschuldigen, wurden aber als durchaus real angesehen. Sie tauchten sogar in Reisebeschreibungen auf. Erst später kommt das Einhorn als Inventar märchenhafter, fantastischer Erzählungen hinzu. In unserem märchenhaften Namenspecial dürfen sie deshalb nicht fehlen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

König

Verbreitung des Familienamens König

Fast jedes Märchen braucht einen König, der das fabelhafte Reich regiert. Den Namen König tragen in Deutschland etwa 93.290 Personen (errechnet aus 33.318 Telefonanschlüssen). Er bildet somit Rang 38 der häufigsten Familiennamen in Deutschland. König geht auf das Mittelhochdeutsche künic, künec, konig, kong, koning, kuning 'König, aus königlichem Geblüt stammend' zurück. Natürlich war damit kein echter König gemeint - vielmehr bezeichnet der Name in erster Linie jemanden, der sich durch herausragende Leistungen Ruhm verschafft oder sich besonders vornehm, königlich oder herrisch verhält. Auch ein (Laien-)Darsteller, der im Volksschauspiel einen König verkörpert, kommt als Ursprung in Frage. Darüber hinaus kann mit König auch ein Berufsname gemeint sein, der jemanden beschreibt, der im Dienst eines Königs steht, ein Königsgut bewirtschaftet oder der Anführer einer Zunft oder Berufsgruppe ist.

Zwerger

Verbreitung des Familiennamens Zwerger

Oft begegnen in Märchen auch kleine Männer mit Zipfelmütze und Vollbart: Die Zwerge. Sie sind sowohl freundlich gesinnte Helfer wie bei Schneewittchen als auch tückische Gegner der Helden wie bei Rumpelstilzchen. Doch hat auch der Familienname Zwerger etwas mit diesen kleinen Wesen zu tun? Tatsächlich leitet sich der Name aus dem mittelhochdeutschen Wort twerch 'schräg, quer' ab und beschreibt die Wohnstätte des Namenträgers. Ein Zwerger war also jemand, der an einer schiefen Ebene oder einer gebirgigen Stelle wohnte. In Einzelfällen kann der Name auch aus dem mittelhochdeutschen Wort twergen 'schief gehen' stammen und jemanden bezeichnen, der humpelt und somit eine schiefe, ungleiche Gangart hat. In Deutschland teilen sich etwa 940 NamenträgerInnen (errechnet aus 336 Telefonanschlüssen) den Familiennamen Zwerger, wobei die meisten Belege in Bayern zu finden sind.

Wolf

Verbreitung der Familiennamen Wolf und Wolff

Der böse Wolf, der das Rotkäppchen und die Großmutter frisst, jagt den meisten jungen Märchenlesern einen Schrecken ein. Der Familienname Wolf ist nicht selten: Er steht auf Platz 16 der Rangliste deutscher Familienname, die Variante Wolff auf Platz 100. Der Familienname geht auf beliebte Rufnamen zurück, die mit dem althochdeutschen Namenglied wolf 'Wolf' gebildet wurden, wie Wolfgang oder Wolfram. Allerdings kann es sich auch um einen Übernamen nach einer Charaktereigenschaft handeln. Im direkten Vergleich mit dem Tier steht er für einen gierigen und gefährlichen Menschen.

Einhorn

Verbreitung des Familiennamens Einhorn

Das Vorkommen des Familiennamens Einhorn (199 Telefonanschlüsse) weist leider nicht darauf hin, dass diese Geschöpfe im Mittelalter real existierten - allerdings waren die Tiere besonders beliebt als Motive auf Hauszeichen, die der Kennzeichnung von Gebäuden dienten. Aus diesen Hauszeichen haben sich oftmals Häusernamen entwickelt, so etwa im Fall des Hauses zume Einhorne in Worms, das 1336 bezeugt ist. Besonders beliebt waren Fabelwesen wie das Einhorn auch als Bestandteile von Apothekennamen. Aus diesen Haus- und Apothekennamen haben sich schließlich Familiennamen entwickelt, oft als Benennung eines Besitzers oder Bewohners. Bezeugt ist zum Beispiel ein Hans Eingehürn, Bürgermeister zu Nördlingen, im Jahr 1456.