Sommerliche Hitze

In dunklen Winternächten ersehnt, im kühlen Frühling herbeigewünscht, im Herbst vermisst: Der Sommer ist vielen wegen seiner lauen Nächte und lichtvollen Tage die liebste Jahreszeit. Umso überraschter ist man dann jedes Jahr wieder, dass die große Hitze, wie sie in den vergangenen Wochen herrschte, auch ziemlich anstrengend sein kann. Was tun, wenn die Getränke warm werden, der Schweiß rinnt und alle wegen der hohen Temperaturen stöhnen? Am besten man sorgt für Abkühlung, macht sich auf die Suche nach Getränken und lehnt sich gemütlich in einem Liegestuhl zurück. Da die Mainzer Namenforscher_innen auch bei großer Hitze arbeiten, handelt das Special diesmal von sommerlichen Familiennamen.

Hitze

Verbreitung des Familiennamens Hitze

Wer Hitze heißt, muss sich wahrscheinlich nicht für die Hitzewelle verantworten. Der Name hat nämlich mit hohen Temperaturen gar nichts zu tun. Er geht zurück auf Kurzformen von Rufnamen, die germanisch hildio, althochdeutsch hiltja 'Streit, Kampf' als Erst- oder Zweitglied hatten, etwa Hildebrand oder Gundhild. Solche zweigliedrige Namen waren zu germanischer Zeit gang und gäbe. Auch semantisch tanzen 'Streit' und 'Kampf' nicht aus der Reihe; viele germanische Namenglieder trugen ähnliche Bedeutungen wie z.B. 'Schutz, Burg', 'Waffe, Schwert' oder 'kühn'. Das z im Familiennamen Hitze stammt dabei aus einer Koseform solcher Rufnamen, die mit dem alten Diminutiv- (also Verkleinerungs- oder Verniedlichungs-)Suffix -z gebildet wurde (so wie Fritz aus Friedrich).

Kaufeis

Verbreitung des Familiennamens Kaufeis

Einiges lässt sich tun, um die Hitze von außen zu lindern: Schwimmbad, Ventilator & Co helfen aus. Genauso wichtig ist aber auch ab und an eine Erfrischung von innen - und so wird sich momentan mancher während der Mittagshitze denken: "Kauf dir doch ein Eis!". Hinter dem anmutigen Familiennamen Kaufeis, der 2005 immerhin mit 8 Telefonanschlüssen belegt war (das entspricht ca. 25 Namenträger_innen) steckt natürlich kein Befehl zum Süßspeisenkonsum: Hier liegt ein indirekter Berufsname vor, der auf mittelhochdeutsch koufe 'Handel, Verkauf, Geschäft' bzw. koufen 'handeln, kaufen' und îsen 'Eisen' zurückgeht. Der Name wurde wohl jemandem gegeben, der Eisen zum Verkauf herstellte bzw. mit Eisenwaren handelte. Dass es wirklich um Eisen und nicht um Eis geht, untermauert auch die Variante Kaufeisen (12 Anschlüsse), deren Verbreitungsgebiet sich genau an das von Kaufeis anschließt.

Sonnenstuhl

Verbreitung des Familiennamens Sonnenstuhl

Bei dem Namen Sonnenstuhl denkt man spontan an bequeme, meist farbenfrohe Liegen, die je nach Geschmack zum Sonnenbaden einladen oder an einem schattigen Plätzchen zum Ausruhen dienen, ob am Strand oder im heimischen Garten. Die 42 Telefonanschlüsse für den Namen (das entspricht ca. 118 Namenträger_innen) sind in ganz Deutschland verstreut. Historisch sieht dies aber ganz anders aus: Hier sieht man eine Konzentration in Ostpreußen. Es findet sich auch ein entsprechender Name einer Siedlung im Kreis Heiligenbeil (der heutige Name lautet Świętochowo), auf die der Familienname zurückgeht. Der erste schriftliche Beleg taucht schon 1369 auf: Heyne de Sunenstul. Die altpreußische Form Sawliskresil ist 1423 belegt. Aufgrund der Beleglage ist es letztlich unklar, ob der Siedlungsname deutscher oder preußischer Herkunft ist. Bei einer deutschen Herkunft handelt es sich um die Bezeichnung für ein der Sonne, dem Süden zugewandtes Gelände, das leicht abschüssig gewesen sein kann.

Warmbier

Verbreitung des Familiennamens Warmbier

Nicht selten versucht der ein oder andere, sich bei Hitze mit einem kühlen Bier am Feierabend Abkühlung zu verschaffen. Wenige Minuten in der Sonne genügen jedoch, um die willkommene Erfrischung in ein nunmehr wenig appetitliches, warmes Getränk zu verwandeln... Warmes Bier ist dieser Tage allerdings nicht nur in den Händen schwitzender Menschen, sondern auch unter den deutschen Familiennamen zu finden: Rund 650 Mal ist der Name Warmbier in Deutschland vertreten (das entspricht 232 Telefonanschlüssen). Der Familienname Warmbier geht auf mittelhochdeutsch warmbēr zurück, das 'Warmbier' oder 'Biersuppe' bedeutet. Dabei handelt es sich um eine Berufsbezeichnung für den Brauer, der Bier herstellt, sowie um einen Übernamen nach dem Lieblingsgericht. Aber kann warmes Bier wirklich jemandes Lieblingsspeise sein? Ein Blick auf die tatsächliche Bedeutung des Begriffs bringt Licht ins Dunkel: So ist das Warmbier keinesfalls einfach aufgewärmtes Bier, sondern ein warmes Getränk aus Bier und Milch, dem Mehl, Zucker und Gewürze zugegeben werden. Dieser Trunk galt früher als äußerst nahrhaft und war ein beliebtes Frühstück sowie Hausmittel gegen Erkältungen. In der Ökonomischen Enzyklopädie, einem umfassenden Nachschlagewerk aus dem 18. Jahrhundert, findet sich auch ein Rezept, so dass wir es auch heute noch zubereiten können.