Rufnamen

Fotografie verschiedener Autoaufkleber mit Rufnamen, fotografiert von Fabian Fahlbusch
Autoaufkleber zeigen, wer künftig öfter mitfährt (Foto: Fabian Fahlbusch mit freundlicher Unterstützung der Firma Hipp)

Der Rufname bildet den persönlichsten Teil des offiziellen Gesamtnamens einer Person. Von den Eltern individuell für ein Kind ausgesucht (während der Familienname mit mehreren Familienmitgliedern geteilt wird), ist er in hohem Maße identitätsstiftend. Rufnamen tragen i.d.R. mehrere soziale Informationen wie Alter, Schicht, Bildung, Ethnizität, Religion/Konfession etc., allen voran jedoch die des Geschlechts. Die Rufnamengebung unterliegt sprachexternen (sozialen, politischen, religiösen etc.) Bedingungen und ist daher vielfachem Wandel ausgesetzt, siehe z.B. die Ablösung der germanischen durch biblische Rufnamen im späten Mittelalter (Johannes statt Siegfried), die Übernahme internationaler Namen (Kevin, Chantal), die temporäre Häufung sog. Bindestrichnamen (Eva-Maria, Hans-Werner), die Vergabe mehrerer Rufnamen (Marie Sophie, Maximilian Alexander) etc. Der Terminus Rufname ist gegenüber dem Synonym Vornamen vorzuziehen, da letzterer die Führung eines Nachnamens voraussetzt. Allerdings trifft dies für die lange Phase der Einnamigkeit vor dem Aufkommen der Familiennamen (vom 13. bis 16. Jahrhundert) nicht zu. Die Themen "Rufnamen und Geschlecht" sowie "Rufnamen und soziale Schicht" bilden die Forschungsschwerpunkte in Mainz.

Literatur

Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5. überarbeitete und erweiterte Auflage. München. (Digital: Atlas Namenkunde (2005). Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. Berlin).

Nübling, Damaris (2012): Von Elisabeth zu Lilly, von Klaus zu Nico: Zur Androgynisierung und Infantilisierung der Rufnamen von 1945 bis 2008. In: Günthner, Susanne/Hüpper, Dagmar/Spieß, Constanze (Hrsg.): Genderlinguistik. Sprachliche Konstruktionen von Geschlechtsidentität. Berlin/New York, S. 319-357. 

Nübling, Damaris (2009): Von Monika zu Mia, von Norbert zu Noah: Zur Androgynisierung der Rufnamen seit 1945 auf prosodisch-phonologischer Ebene. In: Beiträge zur Namenforschung 44, S. 67-110.

Nübling, Damaris/Fahlbusch, Fabian/Heuser, Rita (2012): Namen. Eine Einführung in die Onomastik. Tübingen, S. 108-144.

Utech, Ute (2011): Rufname und soziale Herkunft. Studien zur schichtenspezifischen Vornamenvergabe in Deutschland. Hildesheim/Zürich/New York. Olms-Verlag