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Türkische Siedlungsnamen

Herkunft wird im Türkischen durch das Suffix -lı / -li / -lu / -lü ausgedrückt, zum Beispiel Berlinli ‘Berliner, Berlinerin’, İstanbullu ‘Istanbuler, Istanbulerin’. Auch bei den Familiennamen wird im Fall einer Benennung nach der Herkunft das Suffix in der Regel verwendet, etwa in dem Namen Uşaklı nach der Herkunft aus der türkischen Provinz Uşak. Die Benennung kann aber auch nach dem bloßen Siedlungsnamen erfolgen. So berichten Personen mit den Familiennamen Aydın , Bozkurt , Tuzla , Yıldız , Civil und Ahlat , dass diese auf entsprechende Siedlungsnamen zurückgehen (siehe Gürsoy Naskali 2013, Seite 145-150). Demzufolge ist eine Benennung nach der Herkunft bei vielen türkischen Familiennamen auch ohne Suffigierung möglich.

Türkische Familiennamen sind oft gleichlautend mit modernen türkischen Siedlungsnamen, können aber meist nicht mit Sicherheit auf diese zurückgeführt werden, da viele türkische Siedlungen erst im Laufe des 20. Jahrhunderts umbenannt wurden, um ihre nicht-türkischen Wurzeln zu verbergen.

Einige wenige Umbenennungen gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts, also vor dem Familiennamengesetz. Benennungen nach diesen Siedlungsnamen sind bei den Familiennamen also möglich.

Die größte Umbenennungswelle nahm erst in den 1960er Jahren ihren Lauf. Nach einem Militärputsch am 27.05.1960 wurden innerhalb von vier Monaten fast 10.000 Dörfer umbenannt. Dabei wurde die Verwendung der alten Namen verboten, um sie in Vergessenheit geraten zu lassen. Die meisten Umbenennungen fanden im östlichen Schwarzmeergebiet und in Südostanatolien statt, wo vorher griechische und armenische bzw. kurdische Siedlungsnamen vorherrschten. Am wenigsten betroffen waren Vorderanatolien sowie das westliche Schwarzmeergebiet.

Zu den umbenannten Siedlungen zählen hauptsächlich solche mit Namen, die nicht-türkischer Herkunft waren oder deren Bedeutungen im Zusammenhang mit der osmanischen Dynastie (z.B. Hamidiye , Osmanlı ) oder fremden Ethnien oder Religionen (z.B. Kürtköy ‘Kurdendorf’, Manastır ‘Kloster’) standen. Außerdem wurden Siedlungen umbenannt, deren Namen als diffamierend wahrgenommen werden konnten ( Yalancı ‘Lügner’, Örtlek ‘Feigling’).

Aufgrund der Umbenennungen können nur die Siedlungsnamen in die Familiennamen eingegangen sein, die schon vor 1934 belegt sind. Die absichtlich schlechte Dokumentation der Umbenennungen macht es dabei oft schwierig, das Alter eines Siedlungsnamen zu bestimmen.

Literatur

  • Nişanyan, Sevan (2011): Hayali Coğrafyalar. Cumhuriyet Döneminde Türkiye'de Değiştirilen Yeradları. Istanbul.
  • Öktem, Kerem (2008): The Nation’s Imprint: Demographic Engineering and the Change of Toponymes in Republican Turkey. In: European Journal of Turkish Studies. Heft 7
  • Naskali, Emine (2013): Cumhuriyet Tarihi Soyadı Hikâyeleri. Istanbul.

Metadaten

Daten zur Erstellung der thematischen Information

AutorIn
Mehmet Aydin
Veröffentlichungsdatum
15.07.2019
Zitierhinweis

Aydin, Mehmet, Türkische Siedlungsnamen, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: < http://www.namenforschung.net/id/thema/10/1 >