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Schür

Allgemeines

Häufigkeit
161
Rang
23420
Sprachvorkommen
deutsch
Hauptverbreitung
Deutschland
Belgien

Etymologie

Hauptbedeutung

  1. Benennung nach Wohnstätte zu mittelniederdeutsch schure , mittelhochdeutsch schiure , schiur , schūre , schūr ‘Scheune, Scheuer’ für jemanden, der an einer besonderen Scheune, z.B. einer Zehntscheune, wohnt.

In Einzelfällen

  1. Benennung nach Beruf zu mittelniederdeutsch schure , mittelhochdeutsch schiure , schiur , schūre , schūr ‘Scheune, Scheuer’. Es handelt sich um einen indirekten Berufsnamen für einen Verwalter einer herrschaftlichen Scheune.
  2. Benennung nach Übername zu mittelniederdeutsch schūr ‘listig, schlau’ für einen listigen Menschen. Diese Deutung kann für die Namenvorkommen im niederdeutschen Raum zutreffen.
  3. Benennung nach Übername zu mittelniederdeutsch, mittelhochdeutsch schūr ‘Regen-, Hagelschauer, Unwetter’ für einen aufbrausenden Menschen.
  4. Benennung nach Wohnstätte zu mittelniederdeutsch schūr ‘Schutz; Schuppen, Schutzdach am Haus’ für jemanden, der an einem geschützten Wohnplatz oder an einem Schuppen wohnt.

Deutung unsicher

  1. Benennung nach Wohnstätte zu mittelhochdeutsch schür , schuor ‘Schur, Schnitt, Haarschnitt’, übertragen auf das Abmähen von Gras oder das Schneiden von Hecken (siehe Deutsches Wörterbuch, letzter Zugriff: 20.09.2019, unter Bedeutung II,2,a-d). Laut Zoder könnte hiermit auch ein Flurstück benannt sein, doch gibt er keine Belege an (siehe Zoder 1968, Band 2, Seite 568) und sowohl die regionale als auch die historische Verwendung im Verbreitungsgebiet des Familiennamens ist unklar.
  2. Benennung nach Übername zu mittelhochdeutsch schur ‘Schererei, Plage, Ärger, Verdruss’ für einen Menschen, der häufig Streit anfängt. Das zugrunde liegende Wort „ist erst in der neueren sprache häufiger bezeugt […]; scheint indes vereinzelt schon m[ittelhochdeutsch] (um 1200) vorzukommen“ (Deutsches Wörterbuch, letzter Zugriff: 20.09.2019). Aufgrund der wenigen, auf den hochdeutschen Raum beschränkten Belege ist diese Deutung (siehe Zoder 1968, Band 2, Seite 568) unsicher.
  3. Benennung nach Übername zu mittelhochdeutsch schür , schuor ‘Schur, Schnitt, Haarschnitt’ (im Niederdeutschen nicht bezeugt, siehe Deutsches Wörterbuch, letzter Zugriff: 20.09.2019, unter II.). Laut Zoder wegen der auffälligen Kopfrasur (Tonsur) möglicherweise „Bezeichnung eines (entlaufenen) Mönches“ (Zoder 1968, Band 2, Seite 568). Für dieses Benennungsmotiv, das auch Zoder mit einem Fragezeichen versieht, gibt es keine Belege.

Weitgehend auszuschließen

  1. Benennung nach Rufname, siehe Schur 7. Es handelt sich um eine Lautvariante mit Umlaut. Diese Deutung (siehe Gottschald 2006, Seite 427) ist aus lautlichen Gründen weitgehend auszuschließen.

Historischer Namenbeleg

Evert tor Schüren

Belegjahr
1456
Belegort
Coesfeld
Quellenangabe
Kewitz, 1999, Seite 333.

Verbreitung

Verbreitung innerhalb Deutschlands

Verbreitung außerhalb Deutschlands

Belgien

Häufigkeit
40
Angaben zur Quelle
Art der Quelle
Einwohnerzahlen
Jahr der Quelle
2008
Quelle
www.familienaam.be, letzter Zugriff 20.09.2019.

Verwandte Artikel (Auswahl)

Literaturhinweise

Literatur

  • Gottschald, Max (2006): Deutsche Namenkunde. Mit einer Einführung in die Familiennamenkunde von Rudolf Schützeichel. 6. Auflage. Berlin und New York. Hier S. 427.
  • Kewitz, Bernhard (1999): Coesfelder Beinamen und Familiennamen vom 14. bis 16. Jahrhundert. Heidelberg. Hier S. 333.
  • König, Werner (2011): dtv-Atlas Deutsche Sprache. 17. Auflage. München. Hier S. 236.
  • Zoder, Rudolf (1968): Familiennamen in Ostfalen. Band 2. Hildesheim. Hier S. 568.

Weblinks

Metadaten

Daten zur Artikelerstellung

AutorIn
Daniel Kroiß
Veröffentlichungsdatum
15.02.2020
Zitierhinweis

Kroiß, Daniel, Schür, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: < http://www.namenforschung.net/id/name/23532/1 >