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Suffix -iņš

Das Suffix -iņš fungiert heute im Lettischen als Diminutivsuffix, ist aber in Kombination mit einem Naturbegriff charakteristisch für die lettischen Familiennamen (vgl. Kalniņš zu kalns ‘Berg’), von denen allein unter den fünfzehn häufigsten acht auf -iņš enden (vgl.Lettische Familiennamen. Historisch lässt sich dies mit der Herleitung des Suffixes aus einem Zugehörigkeitssuffix (vgl. baltisch -inis) begründen, das bei Hofnamen auftrat, aus denen sich später Familiennamen ableiteten. Aus der Tatsache, dass sich die Hofnamen vor allem am umgebenden Bewuchs (Bäume und Sträucher) orientierten, erklärt sich die Dominanz der Naturmotivik in den heutigen Familiennamen. Bei der Annahme eines festen Familiennamens im 19. Jahrhundert hat man sich an diesem Bildungsmuster orientiert und so zur Festigung beigetragen. Das Suffix -iņš wird ausschließlich für männliche Namenträger verwendet, die entsprechende weibliche Form ist -iņa. Bei der Übernahme ins Deutsche erfolgt eine graphische und/oder lautliche Anpassung entweder durch Substitution der Sonderzeichen (<-iņš> zu <-ins>) bzw. Tilgung des auslautenden -s oder durch Wiedergabe der lettischen Lautung ( -insch). Die Adaption kann auch auf morphologischer Ebene erfolgen und lettisch -iņš durch das funktional und lautlich ähnliche (heute in Mecklenburg-Vorpommern übliche) deutsche Diminutivsuffix -ing ersetzt werden. Der lettische Familienname Kalniņš tritt dementsprechend in Deutschland in den Varianten Kalnins, Kalnin, Kalninsch und Kalning auf.

Literatur

  • Balode, Laimute/Bušs, Ojars (2007): Das lettische Personennamensystem. In: Brendler, Andrea/Brendler, Silvio (Hrsg.): Europäische Personennamensysteme. Ein Handbuch von Abasisch bis Zentralladinisch. Hamburg, S. 459-473. Hier S. 465.
  • Dammel, Antje (2011): Familiennamen aus dem Lettischen und Litauischen in Deutschland. In: Hengst, Karlheinz/Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Familiennamen aus fremden Sprachen im deutschen Sprachraum. Leipzig, S. 131-157. Hier S. 137-139 und 152.
  • Nübling, Damaris (2004): Prinzipien der Proprialitätsmarkierung. Familiennamenindikatoren in den nordeuropäischen Sprachen. In: Nahl van, Astrid/Imevik, Lennart/Brink, Stefan (Hrsg.): Namenwelten. Berlin, New York, S. 466-482. Hier S. 472-473.
  • Staltmane, Velta E. (1981): Latyšskaja antroponimija familii. Moskva. Hier S. 41-45.

Metadaten

Daten zur Erstellung der thematischen Information

AutorIn
Schiller Christiane
Veröffentlichungsdatum
15.09.2019
Zitierhinweis

Christiane, Schiller, Suffix -iņš, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: < http://www.namenforschung.net/id/thema/8/1 >