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Lettische Familiennamen

Die flächendeckende Herausbildung der lettischen Familiennamen vollzog sich erst im 19. Jahrhundert durch die Beseitigung der Leibeigenschaft (in Kurland 1817, in Livland 1819 und in Lettgallen 1861). Bei der Annahme eines festen Familiennamens konnte auf ein bereits vorhandenes Inventar, vor allem an Über- und Wohnstättennamen, zurückgegriffen werden (vgl. 1540 Peter Peda zu lettisch pēda‘Fuß’ oder 1541 Brosius Purvyt zu lettisch purvs‘Sumpf’). Häufig liegen den Familiennamen Hofnamen zugrunde, die sich auf die Lage der Höfe im Gelände oder den dort anzutreffenden Bewuchs beziehen. Unter den zehn häufigsten Familiennamen Lettlands dominieren deshalb heute auf Baum- und im weitesten Sinne Gehölzbezeichnungen zurückgehende Namen, wie Bērziņš (Berzins) (< bērzs ‘Birke’), Ozoliņš (Ozolins bzw. Ozols) (< ozols ‘Eiche’), Liepiņš (Liepins) (< liepa ‘Linde ’) sowie Krūmiņš (Krumins) (< krūms ‘Strauch’). Daneben finden sich die Familiennamen Kalniņš (< kalns ‘Berg’) und Balodis (< balodis ‘Taube ’). Der an Position 5 stehende Familienname Jansons (Jansons) ist niederdeutschen bzw. schwedischen Ursprungs, Ivanovs und Vasiljevs (Ivanovs und Vasiljevs) auf Rang 2 und 9 sind russischen Ursprungs. Zur Häufigkeit lettischer Familiennamen siehe Uzvārds in Vikipēdija, letzter Zugriff: 20.01.2020). Formal kennzeichnend für eine Vielzahl lettischer Familiennamen ist das ursprünglich Zugehörigkeit ausdrückende, heute aber ausschließlich zur Bildung von Diminutiven verwendete Suffix -iņš, das in den eingedeutschten Familiennamen lettischer Herkunft häufig als -ing (Kalning, Osoling, Kruming ) erscheint.

Literatur

  • Balode, Laimute/Bušs, Ojars (2007): Das lettische Personennamensystem. In: Brendler, Andrea/Brendler, Silvio (Hrsg.): Europäische Personennamensysteme. Ein Handbuch von Abasisch bis Zentralladinisch. Hamburg, S. 459-473. Hier S. 462-466.
  • Dammel, Antje (2011): Familiennamen aus dem Lettischen und Litauischen in Deutschland. In: Hengst, Karlheinz/Krüger, Dietlind (Hrsg.): Familiennamen im Deutschen. Erforschung und Nachschlagewerke. Familiennamen aus fremden Sprachen im deutschen Sprachraum. Leipzig, S. 131-157. Hier S. 137-139 und 152.

Metadaten

Daten zur Erstellung der thematischen Information

AutorIn
Christiane Schiller
Veröffentlichungsdatum
01.07.2020
Zitierhinweis

Schiller, Christiane, Lettische Familiennamen, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: < http://www.namenforschung.net/id/thema/7/1 >