Zurück zur Liste

Diminutive: Verbreitung

Die Formenvielfalt der Diminutivsuffixe (Verkleinerungsformen) in den deutschen Dialekten spiegelt sich auch in den Familiennamen wider. Grundsätzlich ist zwischen den l-haltigen, vorwiegend oberdeutschen Formen -le, -l, -el , -lein (Schmiedle, Schmiedl, Schmiedel, Schmidtlein) und den ursprünglich nieder- und mitteldeutschen Suffixen -ke(n), -ge(n), -che(n) (Schmidtke, Schmidtgen, Schmidtchen) zu unterscheiden. Die areale Verbreitung der Suffixvarianten mit k im Norden und l im Süden entspricht im Wesentlichen der Situation in den deutschen Dialekten, doch verläuft die Grenze in den Familiennamen deutlich weiter nördlich: Im Mitteldeutschen finden sich im Unterschied zu den Dialekten überwiegend l-Formen, die auch ins Niederdeutsche streuen, so dass davon auszugehen ist, dass l-Suffixe ursprünglich auch im gesamten niederdeutschen Gebiet verbreitet waren.

Verbreitung der Diminutivsuffixe in den deutschen Dialekten (blau: k-Suffixe, rot: l-Suffixe):

Verbreitung der l- vs. k-Suffixe in den Familiennamen:

Im Einzelnen verteilen sich die Suffixvarianten in den Familiennamen wie folgt: Suffix -le ist in Schwaben (Hämmerle, Eberle, Vögele), -l in Bayern (Brandl, Friedl, Strobl) und -el im südlichen Sachsen (Hertel, Hensel, Hähnel) verbreitet. Außerdem findet sich nur in den Familiennamen -lein (Beyerlein, Eberlein, Stöcklein) im Raum Nürnberg und altes -lin (Märklin, Sütterlin) im südlichen Baden.

Im Niederdeutschen tritt neben im gesamten Gebiet verbreitetem -ke(n) im südlichen Niedersachsen (Ostfalen), Sachsen-Anhalt und Brandenburg die Suffixvariante -i(c)ke bzw. -e(c)ke (Heinicke, Meinicke; Heinecke, Meinecke) auf. Die selteneren Varianten -ge(n) und -je(n) sind im Rheinland und im Raum Hannover (Lüttgen, Bettgen, Röttgen) bzw. im nordöstlichen Niedersachsen und in Schleswig-Holstein (Lüthje, Rathje, Tietje) verbreitet. Standardsprachliches -chen (Schmidtchen, Helmchen) erscheint in den Familiennamen nur selten. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Ostsachsen und im südlichen Brandenburg.

Literatur

  • Dammel, Antje/Schmuck, Mirjam (2008): Der deutsche Familiennamenatlas (DFA). Relevanz computergestützer Familiennamengeographie für die Dialektgeographie. In: Elspaß, Stephan/König, Werner (Hrsg.): Sprachgeographie digital. Die neue Generation der Sprachatlanten. Band 190-191. Hildesheim [u.a.], S. 73-104.
  • Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5. Auflage. München. Hier S. 70-71.
  • Kunze, Konrad/Nübling, Damaris (Hrsg.) (2011): Deutscher Familiennamenatlas. Band 2: Graphematik/Phonologie der Familiennamen II: Konsonantismus. Berlin und New York. Hier S. 618-627.
  • Kunze, Konrad/Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Band 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin und Boston. Hier S. 332-459.
  • Nübling, Damaris/Schmuck, Mirjam (2015): Der Deutsche Familiennamenatlas (DFA): Ein Fenster zur historischen Dialektologie. In: Kehrein, Roland/Lameli, Alfred/Rabanus, Stefan (Hrsg.): Regionale Variation des Deutschen. Projekte und Perspektiven. Berlin und Boston, S. 645-663. Hier S. 653-656.
  • Tiefenbach, Heinrich (1987): -chen und -lein. Überlegungen zu Problemen des sprachgeographischen Befundes und seiner sprachhistorischen Deutung. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. 54. S. 2-27.

Metadaten

Daten zur Erstellung der thematischen Information

AutorIn
Mirjam Schmuck
Veröffentlichungsdatum
15.10.2019
Zitierhinweis

Schmuck, Mirjam, Diminutive: Verbreitung, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: < http://www.namenforschung.net/id/thema/5/1 >