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Patronymische Genitive

Die deutschen Familiennamen tradieren teilweise noch alte Genitivflexion in Namen wie Peters, Beckers, Otten. Traditionell wird zwischen sogenannter starker Flexion mit -s und schwacher mit -en unterschieden; selten begegnet auch die Doppelform -ens (Ottens). Stark flektierten ursprünglich Rufnamen-Vollformen (Hinrichs < Hinrich), schwach die vokalisch auslautenden Kurzformen (Heinen < Heino). Es handelt sich hierbei um erstarrte Genitive mit patronymischer Funktion, die sich aus einer elliptischen Form Jan Peters [Sohn] bzw. Jan Müllers [Sohn] erklären. Neben der patronymischen Motivation ist auch eine Benennung nach dem Hof (der in Peters oder in Müllers Hof) denkbar. Namen mit patronymischem Genitiv sind vor allem im Nord- und Westniederdeutschen verbreitet sowie im Westmitteldeutschen; südlich der Mosel sind Genitivpatronyme selten.

Literatur

  • Kunze, Konrad (2004): dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet. 5. Auflage. München. Hier S. 72-73.
  • Kunze, Konrad/Nübling, Damaris (Hrsg.) (2012): Deutscher Familiennamenatlas. Band 3: Morphologie der Familiennamen. Berlin und Boston. Hier S. 14-79.
  • Marynissen, Ann (1991): Morfosyntactische aspecten van de Belgische familienamen op basis van het "Belgisch repertorium van familienamen". In: Naamkunde. 23. S. 29-79.
  • Marynissen, Ann/Nübling, Damaris (2010): Familiennamen in Flandern, den Niederlanden und Deutschland - ein diachroner und synchroner Vergleich. In: Dammel, Antje/Kürschner, Sebastian/Nübling, Damaris (Hrsg.): Kontrastive Germanistische Linguistik. Band 1. Hildesheim [u.a.], S. 311-362.

Metadaten

Daten zur Erstellung der thematischen Information

AutorIn
Mirjam Schmuck
Veröffentlichungsdatum
15.11.2018
Zitierhinweis

Schmuck, Mirjam, Patronymische Genitive, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: < http://www.namenforschung.net/id/thema/1/1 >