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Kretschmar

Allgemeines

Häufigkeit
973
Rang
3453
Sprachvorkommen
deutsch
Hauptverbreitung
Deutschland

Etymologie

Hauptbedeutung

  1. Benennung nach Beruf zu mittelhochdeutsch kretschmar ‘Schankwirt’ für den Besitzer einer Schankwirtschaft, genannt Kretscham . Der Kretscham (siehe Deutsches Wörterbuch, letzter Zugriff: 26.10.2017) war mehr als nur eine Dorfschänke, nämlich häufig auch Sitz des mit der Schankgerechtigkeit bedachten Schultheißen und Gerichtsort des Dorfgerichts, daher auch Gerichtskretscham (siehe Deutsches Rechtswörterbuch, letzter Zugriff: 26.10.2017). Bei Kretschmar und Kretscham handelt es sich um bereits seit dem 14. Jh. nachweisbare Lehnwörter alttschechischen Ursprungs im Deutschen, vergleiche alttschechisch krčma ‘Schenke, Wirtshaus’ und alttschechisch krčmář ‘Schankwirt, Schenk, Wirt’. Die Konsonantenhäufung -krčm- ist durch silbische ŗ des Tschechischen allerdings für den deutschen Sprecher kaum aussprechbar, was die zusätzlichen Sprossvokale im Prozess der Eindeutschung bewirkte. Aus der überregionalen Geltung und Verbreitung dieser Lehnwörter, die eng verbunden waren mit der damaligen zentralen Rolle des Königreichs Böhmen, wird verständlich, warum der Name Kretschmar eine derartige Verbreitung erfuhr und eine sprachliche Herleitung dieses Namens aus genuin altsorbischen mundartlichen Formen eher anzuzweifeln ist (siehe Wenzel 2010, Seite 192-212).

Historischer Namenbeleg

Martha Kretschmar

Belegjahr
1659
Belegort
Bornitz, Sachsen
Quellenangabe
www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=zeitz_region&ID=I3954, letzter Zugriff: 07.11.2017.

Agnes Maria Kretschmar

Belegjahr
1672
Belegort
Dessau-Pötnitz
Quellenangabe
gedbas.genealogy.net/person/show/1125687077, letzter Zugriff: 07.11.2017.

Verbreitung

Verbreitung innerhalb Deutschlands

Verbreitung außerhalb Deutschlands

Österreich

Häufigkeit
12
Angaben zur Quelle
Art der Quelle
Telefonanschlüsse
Jahr der Quelle
2005
Quelle
Geogen AT CD-ROM.

Historische Verbreitung

Für den Familiennamen Kretschmar finden sich insgesamt 82 Einträge im Reichstelefonbuch von 1942 mit Konzentrationen in Sachsen, Brandenburg und in den ehemaligen Sudetengebieten (siehe Genevolu, letzter Zugriff: 26.10.2017).

Verwandte Artikel (Auswahl)

Literaturhinweise

Literatur

  • Ebner, Jakob (2015): Wörterbuch historischer Berufsbezeichnungen. Berlin. Hier S. 412.
  • Feinig, Anton/Feinig, Tatjana (2014): Familiennamen in Kärnten und den benachbarten Regionen. Klagenfurt [u.a.]. Hier S. 137.
  • Kunze, Konrad/Nübling, Damaris (Hrsg.) (2016): Deutscher Familiennamenatlas. Band 5: Familiennamen nach Beruf und persönlichen Merkmalen. Berlin und Boston. Hier S. 520-525.
  • Linnartz, Kaspar (1958): Unsere Familiennamen. Bd. 1: Zehntausend Berufsnamen im Abc erklärt. 3., stark vermehrte Auflage. Bonn [u.a.]. Hier S. 128.
  • Wenzel, Walter (1999): Lausitzer Familiennamen slawischen Ursprungs. Bautzen. Hier S. 144.
  • Wenzel, Walter (2010): Slawische Zunamen aus Bezeichnungen für den Gastwirt im Deutschen. Unter besonderer Berücksichtigung des Sorbischen. In: Zunamen – Zeitschrift für Namenforschung. 5/1-2. S. 192-212.

Weblinks

Metadaten

Daten zur Artikelerstellung

AutorIn
Andrea Scheller
Veröffentlichungsdatum
01.11.2019
Zitierhinweis

Scheller, Andrea, Kretschmar, in: Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands,
URL: < http://www.namenforschung.net/id/name/3455/1 >